Chormusik

In unsere Kirche gibt es einen sehr guten gemischten Chor, den ich schon länger bewundere. Wer den Film „Wie im Himmel“ kennt, weiß, dass es etwas Besonderes auf sich hat mit den schwedischen Chören. Das Singen hat hierzulande einen hohen Stellenwert und wird überall praktiziert. Von der Krabbelgruppe an singt man zusammen. Alle singen. (Niemand spielt Theater.)

Nach dem Gottesdienst hat neulich jemand zu mir gesagt, ich hätte eine feine Stimme, ich könnte doch mal zur Chorprobe kommen. Meine letzte Chorprobe fand im letzten Jahrtausend statt, aber ich kann Noten lesen und Töne treffen, also traue ich mich tatsächlich, hinzugehen. Im Schlepptau: meine 4 Monate alte Tochter. Ich hoffe, dass sie sich ruhig verhält und wir nicht gleich beim ersten Mal rausfliegen.

Schon bei den Aufwärmübungen wird  mir klar, dass das hier für mich eine Herausforderung wird. Die Schweden haben nämlich nicht nur die 5 Vokale A E I O U, sondern insgesamt 9 Vokale: A Å O U I Y E Ä Ö. Und die klingen alle etwas anders als im Deutschen. Es geht nicht nur darum,  eine Note zu treffen, sondern auch, den richtigen Klang dabei zu erzeugen.

„Yyy“, korrigiert die Chorleiterin,  „nicht Yyy!“ (Ich schwöre, ich habe keinen Unterschied gehört.) 

Nach der ersten Chorprobe als Sopran bin ich fix und fertig, halte mich für vollkommen untalentiert und schäme mich in Grund und Boden für meinen deutschen Akzent.

Bei der zweiten Chorprobe kapiere ich: ich bin kein vollkommen  untalentierter Sopran,  sondern einfach eine Altstimme.  Wenn neben  mir jemand laut und richtig singt, komme ich schon ganz gut mit. Und als die Chorleiterin scherzt: „Mendelsohn-Bartholdy klingt auf Schwedisch einfach viiiel schöner als auf Deutsch mit diesen vielen Konsonanten“, da kichern einige und schauen zu mir rüber, und dann lachen wir alle zusammen.

Die Stücke sind schwer, meistens 8-stimmig, und wenn wir alle sauber singen, klingen wir manchmal wirklich wie im Himmel. Ich bin stolz, dass ich dabei sein darf.

Mein Baby macht sich übrigens gut, es hat sämtliche Altstimmen um den Finger gewickelt. Es hört lange aufmerksam zu, als würde es die Musik genauso genießen wie ich, dann schließt es die Augen und schläft ein.

Eines unsere Lieder, hier allerdings von einem Kinderchor gesungen:

G

2 Gedanken zu „Chormusik“

  1. hey, wie schön, dass du gefragt worden bist, ob du im chor mitsingen möchtest. (auch wenn du wahrscheinlich lieber theater spielen würdest.)
    du hast ja schon öfter von den himmlisch schönen gesängen in den gottesdiensten erzählt. ich wünsche dir, dass du dich mehr und mehr „wie im himmel“( so der filmtitel) bei dem gemeinsamen singen fühlst, dass du wirklich ein stück himmel in dir erlebst.
    das lied ist wunderschön, welches du uns als kostprobe mitgeschickt hast.

  2. Hallo Gesina,
    wie schön, dass du in dem Chor mitsingen kannst. Wenn ich das Lied des Chores höre, werde ich erinnert an das Adventskonzert, das wir letztes Jahr gemeinsam besucht haben. Die vielen unterschiedlichen Chöre in der Kirche in Uppsala zu hören, war ein ganz beeindruckendes Erlebnis.
    Vielleicht hören wir Dich ja auch mal mit „Deinem“ Chor singen.

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