Ich bin ein Grashüpfer!

Heute suche ich uns eine Krabbelgruppe. Immer wieder hat man mir geraten, mich einer solchen „Öppna Förskola“ anzuschließen, also springe ich über meinen Schatten und mitten in die fremde Kultur hinein. Ich bin nicht gern „die Ausländerin“, für die man dolmetschen muss, aber irgendwie muss ich ja anfangen.

In der Kirche ein paar Straßen weiter gibt es einen riesigen Kinderspielraum, der bald voller Leben ist: Etwa 20 Erwachsene mit ebenso vielen Kindern spielen mit Puppenküche, Parkhaus und Bauernhof. Darunter sind erstaunlich viele Väter. Klar, in Schweden teilt man sich die Elternzeit. Mutter und Vater bleiben klassischer Weise jeder ein halbes Jahr zuhause. Pro Kind.

Es tut mir leid für Richard, dass er nicht mit den anderen Kindern kommunizieren kann. Er redet zwar mit ihnen und gibt sich große Mühe, besonders deutlich zu sprechen, aber niemand versteht ihn. Letztlich spielt er allein mit seinen Autos. Keiner freut sich mit ihm. Ich vermisse unsere Freunde in Deutschland. Noch bin ich Richard gegenüber im Vorteil, denn ich kann auf Englisch mit anderen Eltern smalltalken und merke eher als er, dass wir hier willkommen sind.

Nach einer Stunde freiem Spiel gibt es Fika. „Do you now Fika?“, fragt mich die Leiterin. Das sei das allerwichtigste Wort auf Schwedisch, es bedeutet soviel wie „Kaffeepause“, dafür lässt man alles andere stehen und liegen. Wir versammeln uns in der Küche, es gibt Weißbrot mit Käse und Gurkenscheiben, dazu Kaffee und für die Kinder Saft. Bei so vielen Kleinkindern wird das eine unvorstellbare Sauerei, aber hinterher wird gefegt und alle sind fröhlich und entspannt.

Danach kommt das Highlight: Die Sing-Stunde! Kinder und Erwachsene setzen sich in einen Kreis, die Leiterin holt die Ukulele hervor. Und dann geht’s rund. Wenn 40 Schweden (und 2 Neue aus Deutschland) aus vollem Hals zu einer Mini-Gitarre singen, hält es keinen auf dem Boden. Richard ist der erste, der aufspringt, in die Kreismitte rennt und dort tanzt. Ich schnappe einzelne Wortfetzen auf, z.B.: „Ich bin ein Grashüpfer…!“ (Wer das Lied auf Youtube anschauen will, es startet ab der 30. Sekunde)

„Jag är en Grässhoppa“

Eine volle Stunde singen wir zusammen. Die Schweden haben ein viel größeres Repertoire an Kinderliedern, scheint mir. Wir singen und tanzen und lachen und gehen hinterher glücklich nach hause. Die Leiterin lädt uns ein, nächste Woche wiederzukommen, und Richard sagt zu ihr: „Hejdå (Tschüß), Anna-Maria!“

Am nächsten Tag fragt er mich hoffnungsvoll: „Heute wieder Förskola, ja?“

G

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